★ Genre-Überblick

Deutsche Zombieromane

Zombieliteratur von deutschsprachigen Autoren – ein Genre, das es eigentlich kaum gibt. Und genau deshalb lohnt es sich, hinzuschauen.

Wer auf Deutsch nach Zombie-Romanen sucht, landet fast immer bei übersetzten Titeln. Max Brooks, Brian Keene, Mira Grant – alles großartig, keine Frage. Aber wo bleiben die Geschichten, die in Deutschland spielen? Die das Ruhrgebiet statt Manhattan verwüsten, die Bundeswehr statt U.S. Marines aufmarschieren lassen, in denen jemand auf der A3 feststeckt und nicht auf dem Highway?

Die ehrliche Antwort: Es gibt wenige. Zombie-Literatur hat im deutschsprachigen Raum nie den gleichen Status erreicht wie in den USA oder Großbritannien. Horror als Genre führt hierzulande ohnehin ein Nischendasein – und Zombies im Speziellen galten lange als reines B-Movie-Territorium, als etwas, das man im Kino schaut, aber nicht zwischen Buchdeckeln ernst nimmt.

Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Gute Zombieromane waren schon immer mehr als Splatter. Sie sind im Kern Geschichten über den Zusammenbruch von Gesellschaft, über das, was passiert, wenn die Regeln aufhören zu gelten. Und diese Geschichten werden stärker, wenn sie in einer Umgebung spielen, die man kennt. Wenn die Apokalypse nicht irgendwo in Georgia stattfindet, sondern vor der eigenen Haustür.

Was es gibt – und warum es mehr sein dürfte

Das wohl ambitionierteste deutschsprachige Zombie-Projekt der letzten Jahre ist Zombie Zone Germany (ZZG) – eine Anthologie-Reihe, die seit 2015 läuft und inzwischen über fünfzehn Bände umfasst. Verschiedene Autoren erzählen darin Geschichten aus einem Deutschland, das von einer Zombie-Plage überrollt wurde. Das Konzept ist klug: Jeder Band beleuchtet andere Regionen, andere Perspektiven, andere Facetten des Zusammenbruchs. Die Qualität schwankt, wie bei jeder Anthologie, aber die besten Beiträge zeigen, wie viel Potenzial in einem deutschen Setting steckt.

Dann gibt es „Das Ende" von Mirko Rißmann und Andreas Faber – eine Trilogie, die dort ansetzt, wo eine mysteriöse Seuche Deutschland erreicht. Die Bücher sind spannend, schnell erzählt, und treffen den Ton von Leuten, die plötzlich in einer Welt aufwachen, deren Regeln sie nicht mehr verstehen. Wer straightforward Endzeit-Action sucht, ist hier richtig.

Vincent Voss hat mit Titeln wie „Faulfleisch" einen Namen gemacht – expliziter als vieles andere, was auf Deutsch erscheint, und definitiv nichts für schwache Nerven. Sein Stil ist roh, direkt, unapologetisch. Man mag das mögen oder nicht, aber es ist ohne Frage eine der wenigen eigenständigen deutschen Stimmen im Genre.

Und dann gibt es die vielen einzelnen Titel, die immer wieder auftauchen und wieder verschwinden – selbstveröffentlichte Romane bei Amazon, Kurzgeschichten-Sammlungen, gelegentlich ein Verlagstitel. Manche davon sind erstaunlich gut. Viele gehen unter, weil es kein Ökosystem gibt, das sie trägt: keine deutschen Genre-Magazine, keine etablierte Community, keine Leselisten, die über LovelyBooks-Tags hinausgehen.

Warum deutschsprachige Zombie-Literatur anders ist

Amerikanische Zombieromane haben fast immer Waffen. Viele Waffen. In den USA gehört das zum Setting wie der Sonnenuntergang zum Western – die Figuren bewaffnen sich, verschanzen sich, schießen sich durch. In Deutschland funktioniert das nicht, jedenfalls nicht glaubwürdig. Es gibt kein Second Amendment, keinen Walmart mit Munitionsabteilung, keine Kultur des bewaffneten Bürgers.

Das bedeutet: Deutsche Zombieromane müssen andere Geschichten erzählen. Geschichten, in denen die Figuren mit Improvisation, mit Flucht, mit sozialer Organisation überleben – oder eben nicht. In denen die Frage nicht lautet „Welche Waffe nehme ich?", sondern „Wem kann ich vertrauen?" und „Wie weit gehe ich, um meine Familie zu schützen?"

Das macht das Setting, wenn man es ernst nimmt, eigentlich stärker. Es zwingt zum Fokus auf die Figuren, auf menschliche Dynamiken, auf moralische Entscheidungen. Genau die Dinge, die aus einem guten Zombieroman mehr machen als Endzeit-Pornografie.

LYRV-27 Band 1: Flucht aus Köln

Band 1 der LYRV-27-Reihe

Flucht aus Köln

★★★★★ 4,6 · über 900 Bewertungen

Ein ganz normaler Morgen in Köln – dann bricht alles zusammen. Der Ausbruch beginnt.

✍️ Signiert direkt vom Autor – 14,99 €, auf Wunsch mit Widmung

LYRV-27 – mein eigener Versuch

Ich sage das offen: Einer der Gründe, warum ich angefangen habe, LYRV-27 zu schreiben, war genau diese Lücke. Ich habe jahrelang alles gelesen, was das Genre hergibt – auf Englisch sowieso, auf Deutsch was ich finden konnte. Und irgendwann war da diese Frage: Wie würde eine Zombie-Apokalypse aussehen, wenn sie in Köln anfängt? Nicht in Atlanta, nicht in London, sondern in einer mittelgroßen deutschen Großstadt, an einem ganz normalen Morgen?

Daraus wurde eine Serie, die inzwischen drei Bände umfasst – und deren Bände zusammen über 7.000 Mal gelesen wurden. Nicht weil ich irgendetwas besser kann als die Autoren oben, sondern weil offensichtlich ein Bedürfnis da ist: nach Zombie-Geschichten, die in einer vertrauten Welt spielen. In denen man die Straßennamen kennt, die Mentalität versteht, in denen das Grauen nicht exotisch ist, sondern erschreckend nah.

Was das Genre noch braucht

Ehrlich gesagt: mehr. Mehr deutsche Autoren, die den Mut haben, Horror zu schreiben, ohne sich dafür zu entschuldigen. Mehr Leser, die bereit sind, deutschsprachige Genre-Literatur eine Chance zu geben, statt nur auf den nächsten übersetzten US-Bestseller zu warten. Und mehr Sichtbarkeit – es gibt keine deutsche Version von „Best Zombie Books"-Listen, die jedes Jahr aktualisiert werden. In den USA ist das ein ganzes Sub-Genre mit eigenem Ökosystem. Hier sind wir eine Handvoll Autoren, die weitgehend unabhängig voneinander schreiben.

Aber vielleicht ist genau das auch die Chance. Wer jetzt Zombie-Romane auf Deutsch schreibt oder liest, ist Teil von etwas, das gerade erst anfängt. Das Genre wächst – langsam, aber es wächst. Und die Geschichten, die dabei entstehen, haben das Potenzial, etwas Eigenes zu sein. Nicht die x-te Kopie von Walking Dead, sondern etwas, das nur hier funktioniert, in diesem Land, mit diesen Figuren, in dieser Sprache.

Wer Lust hat, sich selbst ein Bild zu machen: Hier habe ich eine Liste mit Empfehlungen zusammengestellt – deutsche und internationale Zombiebücher, sortiert danach, welches Gefühl man sucht.

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